Was ist MFT?
Die Multifamilientherapie bzw. das Multifamilientraining (MFT) stellt ein eigenständiges therapeutisch-pädagogisches Verfahren dar, das besonders bei sogenannten Multiproblemfamilien (z.B. mangelhafte Versorgung und Struktur, Kindern mit Schulverweigerungsverhalten, aggressive oder gewalttätige Umgangsformen, Suchtmittelmissbrauch etc.), aber auch etwa in der Arbeit mit Pflegefamilien und/oder Pflegekindern eine hocheffektive nachhaltige und somit kosteneffiziente Intervention sein kann. Im klinischen Kontext liegen zur MFA in der Arbeit mit Kindern mit Essstörungen, psychotischen Störungen oder chronischen körperlichen Erkrankungen verschiedene Forschungsergebnisse vor.

Auf systemischer Grundlage verbindet MFT kreative ressourcen- und handlungsorientierte familientherapeutische Interventionen mit gruppentherapeutischen Techniken. Sie wird am häufigsten in offenen oder halboffenen Gruppen durchgeführt, wobei sich die teilnehmenden Familien in unterschiedlichen Stufen des Prozesses befinden können. Dadurch können die Familien, die erfahrener sind, ihre gewonnene „Expertise“ zur Unterstützung der neueren Gruppenmitglieder einbringen und ihnen dadurch auch Hoffnung auf Besserung machen. Ein Hauptziel der gruppentherapeutischen Arbeit ist es, die Ressourcen und Selbsthilfekräfte der Familien zu fördern. Die Gruppenleiter/innen/Therapeuten fungieren als „Katalysatoren“, die versuchen, den Familien dabei zu helfen, ihre eigenen Kompetenzen im Umgang mit ihren Problemen zu entwickeln.

Die Methode der MFT hat viele Pioniere der systemischen Familientherapie fasziniert, so Jay Haley, Peter Fraenkel und Salvador Minuchin. In Deutschland wurde MFT vor allem durch die Arbeiten und Veröffentlichungen von Eia Asen und Michael Scholz bekannt.

Derzeit bekannteste MFT Kontexte:

  • MFT in Tagesgruppen
  • Multifamilientherapie in Kliniken
  • neuanFANg Berlin
  • Stationäre Kinder- und Jugendhilfe
  • Ambulante und flexible Hilfen
  • MFT in der Coronazeit

MFT in Tagesgruppen (§32 SGB VIII)
Innerhalb der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SpFH) oder der sozialen Gruppenarbeit (SGA) bietet die MFT der ganzen Familie die Chance, gemeinsam an ihren Themen zu arbeiten und als Experten für sich und andere Familien eine selbstwirksame Rolle einzunehmen.

In der MFT-Gruppe treffen Familien mit ähnlichen Themen aufeinander. Sie merken, dass sie nicht alleine sind, andere Familien die gleichen oder ähnlichen Schwierigkeiten haben, bereits einige gescheiterte Lösungsversuche hinter sich haben. Die Familien können sich im Rahmen von MFT Anregungen über andere Familien holen und gegenseitig von gemachten Erfahrungen profitieren. Aufgrund ähnlicher Lebenssituationen, Sichtweisen, Thematiken und Schwierigkeiten entsteht eine enge Verbindung zwischen den Familien und eine hohe Bereitschaft, Neues auszuprobieren für ein entspannteres und konfliktreduziertes Familienleben. Das bereits Geleistete und Gutgelungene findet eine hohe Anerkennung innerhalb der Gruppe. Und besonders die Freude an den Fähigkeiten der Familien und der Spaß, Neues auszuprobieren, hat eine große Bedeutung.

Das Modul beinhaltet wöchentliche Gruppenveranstaltung und ist für maximal acht Familien konzipiert.

Themen werden gemeinsam gefunden und festgelegt. Fragen, Gefühle und Befindlichkeiten werden in der Eingangsrunde mitgeteilt.

Die Fachkräfte der SPFH und MFT stehen in einem für die Familien und deren Ziele sinnvollen kollegialen Austausch.

Familien wenden sich bei Interesse an das zuständige Jugendamt.

MFT im Rahmen von ambulanten und flexiblen Hilfen
Innerhalb der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SpFH) oder der sozialen Gruppenarbeit (SGA) bietet die MFT der ganzen Familie die Chance, gemeinsam an ihren Themen zu arbeiten und als Experten für sich und andere Familien eine selbstwirksame Rolle einzunehmen.

In der MFT-Gruppe treffen Familien mit ähnlichen Themen aufeinander. Sie merken, dass sie nicht alleine sind, andere Familien die gleichen oder ähnlichen Schwierigkeiten haben, bereits einige gescheiterte Lösungsversuche hinter sich haben. Die Familien können sich im Rahmen von MFT Anregungen über andere Familien holen und gegenseitig von gemachten Erfahrungen profitieren. Aufgrund ähnlicher Lebenssituationen, Sichtweisen, Thematiken und Schwierigkeiten entsteht eine enge Verbindung zwischen den Familien und eine hohe Bereitschaft, Neues auszuprobieren für ein entspannteres und konfliktreduziertes Familienleben. Das bereits Geleistete und Gutgelungene findet eine hohe Anerkennung innerhalb der Gruppe. Und besonders die Freude an den Fähigkeiten der Familien und der Spaß, Neues auszuprobieren, hat eine große Bedeutung.

Das Modul beinhaltet wöchentliche Gruppenveranstaltung und ist für maximal acht Familien konzipiert.

Themen werden gemeinsam gefunden und festgelegt. Fragen, Gefühle und Befindlichkeiten werden in der Eingangsrunde mitgeteilt.

Die Fachkräfte der SPFH und MFT stehen in einem für die Familien und deren Ziele sinnvollen kollegialen Austausch.

Familien wenden sich bei Interesse an das zuständige Jugendamt.

Mehrfamilienarbeit in der stationären Kinder- und Jugendhilfe (§34 SGB VIII)
Eltern, die ihre Kinder in die Obhut einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung geben, haben häufig einen langen Weg des Scheiterns und der Misserfolge hinter sich. Die Erfahrung, dass sie im Kontakt mit ihren Kindern wirksam sein können ist häufig tief verschüttet, oft ist das Vertrauen in ihre elterlichen Kompetenzen kaum noch vorhanden.

Die Erfahrung in unseren familienaktivierenden Wohngruppen zeigt, dass Kinder dann gut unterstützt werden können, wenn Eltern und Familiensysteme als Partner im Erziehungsprozess sehr eng in die Arbeit eingebunden sind, diese am Alltag der Kinder teilhaben, und unsere Arbeit an den Bedarfen der Familienmitglieder ausgerichtet ist.

Hierfür bietet die Mehrfamilienarbeit einen idealen Zugang. Mit gruppendynamischen, kreativen, ressourcenorientierten und systemischen Interventionen sowie psychoedukativen Elementen ist die Mehrfamilienarbeit hervorragend dafür geeignet, eigene Ressourcen und Fähigkeiten (wieder) zu entdecken, Selbstwirksamkeit zu erleben und soziale Isolation zu überwinden.

Die Mehrfamiliengruppe der stationären Wohngruppen trifft sich 14-tägig in Räumlichkeiten außerhalb der Wohngruppe. Für Rahmung und Prozess der Mehrfamilienarbeit sind die Mehrfamilientrainer*innen verantwortlich. Die teilnehmenden Familien verpflichten sich für ein Schuljahr zur Teilnahme an der Gruppe, ein weiterer MFT Prozess im Folgejahr ist möglich.

Wiederkehrende Themen, die in der Mehrfamiliengruppe bearbeitet werden, sind die hoch belasteten Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern, häusliche Gewalt, Unklarheit in der Rollenstruktur (Eltern-Kind-Rolle), sowie Kommunikation und Interaktion innerhalb der Familie.

Während des MFT Prozesses erleben Familien andere Familien in gleicher oder ähnlicher Situation, sie sehen eigenes Verhalten in den anderen „gespiegelt“ und nehmen kritische Punkte als solche wahr. Dabei erleben die Familien ein hohes Maß an Solidarität und gegenseitiger Unterstützung. Dies ermöglicht ihnen, eigene Fähigkeiten und Ressourcen zu entdecken sowie alternative, familieneigene Lösungen zu entwickeln und im geschützten Rahmen der Mehrfamiliengruppe einzuüben.

Mit gestärktem Selbstvertrauen und der Erfahrung von Selbstwirksamkeit können Eltern im Laufe des Prozesses zunehmend Verantwortungsbereiche für ihre Kinder übernehmen und, je nach Zielsetzung, auch an der Rückführung ihrer Kinder arbeiten.

Damit stellt die Mehrfamilienarbeit im stationären Kontext der Jugendhilfe eine hervorragend geeignete Methode partizipativer Heimerziehung dar, bei der Eltern und Kinder erleben, dass die Beziehungen innerhalb der Familie durch die gemeinsame Arbeit an den Familienthemen eine sichere Basis bekommen.

MFT bei Rückkehr aus Unterbringung in die Herkunftsfamilie am Beispiel von neuanFANg Berlin
neuanFANg ist ein multifamilientherapeutisches Angebot für Familien, die daran arbeiten wollen, dass sie ihre Kinder aus der Kurzzeitpflege zurück nach Hause holen oder dass sie bei ihnen zu Hause bleiben können. neuanFANg arbeitet immer im Kontext vorliegender Kindeswohlgefährdung mit dem Ziel, die Eltern darin zu unterstützen, die Gefährdung abzuwenden. Die Kinder sind zwischen 0 und 6 Jahren alt.

neuanFANg arbeitet auf Grundlage eines systemischen familien- und multifamilientherapeutischen Konzepts. Wir gestalten Veränderungskontexte in Multifamiliensettings, Elterngruppen, Reflecting Teams, Gruppenarbeit mit Pflegeeltern und Herkunftsfamilien, Einzelfamilienarbeit, Netzwerkarbeit.

neuanFANg findet an vier Tagen in der Woche von 9:00 – 15:00 mit bis zu acht Familien gleichzeitig statt. Die Eltern kommen immer gemeinsam mit ihren Kindern zu neuanFANg. Wir arbeiten eng mit dem bestehenden Helfernetzwerk (Kita, Pflegeeltern, Gesetzliche Betreuer*innen, Einzelfallhelfer*innen, Therapeut*innen…) zusammen.

Weiterlesen: https://familienanlauf.de/neuanfang/

Multifamilientherapie in Kliniken
Bei der Multifamilientherapie handelt es sich um ein Gruppensetting mit mehreren Familien. Wie in anderen Gruppentherapien wird dabei genutzt, dass es meistens eine eingeengte Sichtweise für eigene Probleme gibt, aber eine hohe Sensitivität für die Probleme anderer vorhanden ist. Das Ziel in diesem Behandlungssetting ist, dass die Familien sich gegenseitig unterstützen und helfen, eigene passende Veränderungsmöglichkeiten zu sehen und umzusetzen. Die Hauptaufgabe der anleitenden Therapeuten ist es dabei eine Gruppenatmosphäre zu schaffen, in der dies möglich ist.

Die Methodik der Multifamilientherapie wurde in den 1970er Jahren in London von Eia Asen entwickelt und seit den 1990er Jahren in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Dresden durch Prof. Dr. Michael Scholz weiterentwickelt und in Deutschland verbreitet. Die Methode wurde zunehmend in verschiedenen Bereichen eingesetzt – in Kliniken, der Jugendhilfe und in Schulen. Dabei werden teilweise unterschiedliche Begriffe verwendet; man spricht auch von einer Mehrfamilientherapie oder auch von einer Multifamilienarbeit oder einem Multifamiliencoaching, je nachdem in welchem Bereich die Methode angewandt wird.

Ein Kern in dieser Behandlungsform ist, dass familienzentriert statt kindzentriert mit Partizipation der Kinder vorgegangen wird. Eine wichtige Hauptvoraussetzung ist, dass die Verantwortung konsequent bei den Eltern bleibt, und damit dem vorbestehenden traditionellen Helferverständnis widerspricht. Meist besteht eine Erwartungshaltung an die Experten, dass die elterliche Verantwortung für das Kind an Fachpersonen delegiert werden kann. Damit, dass diese Verantwortungsübernahme nicht erfolgt und die Betonung auf der Wichtigkeit der elterlichen Verantwortlichkeit liegt, erfahren die Eltern eine Aufwertung ihrer Rolle und Bedeutung für das Kind.

Die Grundhaltung der Multifamilientherapie ist ressourcenorientiert und lösungsfokussiert, und gegenüber den Familien akzeptierend, wertschätzend, wohlwollend und aufmerksam und dadurch wird eine Atmosphäre der Hoffnung und positiver Erwartungshaltung geschaffen. Von hoher Bedeutung ist eine wertschätzende Grundhaltung der Therapeuten oder Coaches, die auch Modellcharakter hat. Wertschätzung ist dabei nicht als eine beständige Eigenschaft zu sehen, sondern muss immer wieder erarbeitet werden. Wichtig ist dabei der Erhalt der Neugier und echtem Interesse an den Familien und eine Haltung, die an das Vorhandensein familiärer Ressourcen vertraut. Vermieden werden soll in diesem Kontext Eltern oder Kinder aufgrund von Vorerfahrungen in Schubladen zu stecken. Dabei ist es immer wieder wichtig sich vor Augen zu führen, dass Eltern in den allermeisten Fällen das Beste für ihr Kind wollen. Sie wollen stolz auf ihr Kind sein, sie wollen einen guten Einfluss auf ihr Kind haben, sie wollen gerne positive Dinge über ihr Kind hören, sie wollen ihrem Kind gute Ausbildungs- und Erfolgschancen geben und wichtig ist, dass alle Eltern eine gute Beziehung zu ihren Kindern haben wollen – und an diesen Punkten gilt es gemeinsam anzusetzen.

In der Multifamilientherapie wird mit einem Methoden- und Werkzeugkoffer mit sehr unterschiedlichen Übungen gearbeitet: Kennenlern- und Verbindungsübungen der Gruppe, Spiele zum Auflockern und für Bewegungspausen, Übungen zur Stärkung der Familienidentität und Beziehungen, Auseinandersetzung mit spezifischen gemeinsamen Themen. Eltern und Kinder werden durch spezielle Übungen angeregt, miteinander in eine positive Beziehung zu treten und sich besser ineinander hineinversetzen zu können. In der Spiegelung in anderen Familien mit ähnlichen Problemen können Eltern erkennen, mit welcher Erziehungshaltung Kindern die Akzeptanz von Anforderungen leichter gemacht wird. Wichtig ist dabei, dass immer wieder ein Wechsel von Aktivitäten, der Position im Raum und des Kontextes zu einem abwechslungsreichen Mix führen. Von großer Bedeutung ist dabei, dass sich alle in der Gruppe wohl und von den anderen angenommen fühlen. Probleme können in ganz verschiedenen Settings besprochen werden, z. B. können die Eltern- und die Kindergruppe getrennt arbeiten und anschließend die Ergebnisse ausgetauscht und zusammengeführt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, mit „Adoptivfamilien“ (im Elterntausch) zu arbeiten und die Erkenntnisse durch den Rollenwechsel hinterher in der Gruppe zu besprechen. Die Aufgabe der Familientherapeuten ist es, ein für die Gruppe passendes und interessantes Übungsschema aufzustellen. Damit wird eine sehr konstruktive und gemeinsame Arbeitsatmosphäre geschaffen, das Erleben einer wertschätzenden Atmosphäre ist sehr wichtig und gibt Modell für die Kommunikation miteinander. Die Ressourcenfokussierung, Stärkung und das Erleben von eigenen sowie der Fähigkeiten von Anderen ermöglicht wieder einen optimistischen Blick und lässt wieder Hoffnung entstehen. Das Erleben und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Sichtweisen wird als Bereicherung erlebt. Das Entdecken von Gemeinsamkeiten aus der Außensicht und die indirekte Anregung von eigener Reflexion ist ein wichtiger Wirkmechanismus.

Die Multifamilientherapie kann in offenen, halboffenen oder geschlossenen Gruppen durchgeführt werden. Geschlossene Gruppen bedeutet, dass mehrere Familien vom ersten bis zum letzten Mal zusammenbleiben, sich gut kennenlernen und sich dabei immer besser gegenseitig unterstützen können. Wichtig ist für die Zusammensetzung einer Multifamilientherapiegruppe, dass es Gemeinsamkeiten gibt. Eine Gemeinsamkeit kann sein, dass die Kinder im gleichen Entwicklungsalter sind, dass sie ähnliche Probleme haben oder dass sie wegen einer psychischen Erkrankung behandelt werden müssen.

Im klinischen Kontext gibt es auch störungsspezifische Multifamilientherapieansätze, z. B. dass diese bei Patienten mit einer Essstörung durchgeführt wird oder bei Patienten mit einer Suchterkrankung, einer Autismusspektrumstörung oder einer Geschlechtsdysphorie. Diese störungsspezifischen Gruppen haben den Vorteil, dass die Familien einander sehr gut verstehen können, sich Tipps geben können und für das Problem für andere selber zu Fachleuten werden.

Häufig wird MFT als ein Therapiebaustein einer multimodalen Behandlung eingesetzt. Es gibt aber auch Behandlungssettings in denen die multifamilientherapeutischen Ansätze den Schwerpunkt bilden z.B. in Eltern-Kind-Behandlungen, Familientagesklinik für Essgestörte nach dem Dresdener Modell.

MFT in der Coronazeit – ein Erfahrungsbericht
Zu Beginn der Pandemie vor dem ersten Lockdown musste MFT sehr kreativ werden, um gruppendynamische Prozesse in Gang zu halten. Der Focus musste zusätzlich auf die Hygienemaßnahmen sowie Abstandsregeln gelegt werden. Dies forderte die MFT Trainer*innen sehr stark, denn gleichzeitig sollte MFT weiterhin von seiner Spontanität, Kreativität und auch Aktivität in der Gruppe inspiriert bleiben. Bei allem Engagement wurde MFT zur MFT light oder MFT „mit angezogener Handbremse“.

Dann kam im März der erste Lockdown. Was sollte aus den MFT-Gruppen werden, wie konnte es weitergehen? Die meisten Gruppen pausierten und einige machten sich nach und nach online auf den Weg.

Viele technische Fragen wie die nach geeigneten Onlineplattformen sowie eine entsprechende datenschutzrechtliche Absicherung standen im Raum. Und die Hauptfrage: geht MFT online überhaupt – so distanziert – und bringen die Familien ausreichend Motivation und technische Ausstattung mit?

Bei uns entwickelte sich allmählich die Haltung: besser online als gar nicht und: Versuchen wir es auf diesem Weg!

In der Familienklasse nutzten wir die bestehende Softwarestruktur über das kreiseigene Programm. Dies war datenschutzrechtlich abgesichert und hatte den weiteren Vorteil, dass sich die Familien bereits damit auskannten.

Im Rahmen des SPFH Moduls MFT nutzten wir die vom Arbeitgeber bereitgestellte Online Plattform.

Da alle Plattformen auch über das Handy genutzt werden können, konnten alle Gruppenmitglieder problemlos daran teilnehmen.

Obwohl zuvor in beiden Gruppen nur wenige Präsenztermine stattgefunden hatten, waren alle Gruppenmitglieder bereit, den Online-Versuch zu starten. Die Familienklasse fand online am selben Tag und begann zur gleichen Uhrzeit wie zuvor in Präsenz in der Schule.

Aufgrund des Alters der Kinder in beiden Gruppen war die Dauer der Onlinetermine begrenzt. Als der Präsenzunterricht wiederbegann, teilten wir die Gruppe in eine Eltern- und Kindergruppe. Die Elterngruppe fand weiterhin am Vormittag, die Kindergruppe nachmittags statt. Die Eltern konnten diesen intensiveren Austausch untereinander nutzen. Sie wurden sehr schnell sehr vertraut miteinander und konnten ihre Themen intensiv besprechen. Dabei war es wichtig, die Gesamtentwicklung der Familien immer wieder im Rahmen der Pandemie zu betrachten. Durch die Kontaktbegrenzung auf die eigene Familie zeigten sich die familiären Themen teilweise deutlicher und verstärkt. Zu Beginn wurden Familienaufträge konsequent miteinander gemacht und in beiden Gruppen vorgestellt. Mit der Zeit und der andauernden familiären Herausforderung wurde es schwieriger für die Familien, neben den beruflichen, schulischen und familiären Herausforderungen regelmäßig die Familienaufträge zu schaffen. Daher erteilten wir keine wöchentlichen Aufträge mehr und reagierten flexibel auf die sich immer wieder veränderten Situationen. Alles wurde transparent und offen mit den Eltern besprochen.

Der Familienklassenplan wurde etwas umgestaltet und auf die Homeschoolingsituation angepasst. Hier konnten sich die Kinder nun selbst einschätzen und sich Punkte für ihre Arbeit an den Zielen geben. Dies wurde zu Beginn als interessant und spannend von den Kindern empfunden, mit zunehmendem Homeschooling nahm bei Kindern und Eltern die Motivation ab. Als einige Kinder dann wieder die Schule besuchten, während andere noch zu Hause beschult wurden, entstand über den Familienklassenplan außerdem eine Schieflage. Mittlerweile nehmen die Kinder ca. vierzehntägig eine Selbsteinschätzung im Rahmen des Familienklassenplans vor.

Es wurde deutlich, dass sich die Themen mit anhaltendem Homeschooling veränderten: weniger bewerten der Zielearbeit zu mehr Beziehungsarbeit zwischen Kindern und Eltern. Die familiären Themen zeigten sich deutlicher: Ängste, Konflikte auf der Paar- und Elternebene, Rollenunsicherheiten der Eltern bei Übernahme der Lehrerrolle zu Hause, Nähe / Distanz, Geschwisterkonflikte.

Die fehlenden Außenkontakte innerhalb der Familie, gebremstes Autonomiebestreben der Kinder, nicht stattfindende Hobbies, keine Ablenkung innerhalb einer insgesamt sehr verunsichernden Pandemiesituation…

Die Onlinetermine konnten besonders von den Eltern genutzt werden zum Austausch, als Außenkontakt und Reflektionsmedium. Für die Eltern war im Rahmen der Pandemie besonders wichtig wahrzunehmen, dass sie nicht alleine sind mit Schwierigkeiten und bereits überwunden geglaubte Schwierigkeiten sich in der Ausnahmesituation erneut zeigten. Es entstand sehr schnell ein großes Vertrauen in den Gruppen und der Austausch wurde als besonders hilfreich empfunden.

Die Kinderrunde war zeitweise auch die einzige Möglichkeit, um Kontakte zu anderen Kindern wahrnehmen zu können. Die Kinder freuten sich, sich online zu sehen und waren motiviert, Familienklassenpläne sowie Familienaufträge vorzustellen und gemeinsam mit allen zu spielen (Pantomimespiele visuell und akustisch) und von ihrer Woche zu erzählen.

Ähnlich zeigte sich die Entwicklung auch in der MFT Gruppe im Rahmen des SPFH Moduls. Da die meisten Kinder hier Kitakinder sind, hat die Gruppe gemeinsam begonnen, die Kinder konnten ihnen wichtige Dinge der Gruppe zeigen und sofern altersbedingt möglich erzählen, wie ihre Woche war. Danach durften sie das Gruppensetting verlassen und die Eltern tauschten sich ähnlich wie in der Elternrunde der Familienklasse aus. In dieser Gruppe gab es mehr Alleinerziehende, die Situation war hier insgesamt noch stärker belastet.

Zu Beginn findet immer ein Rückblick der Woche statt und eine Reflektion, inwieweit in der Gruppe Besprochenes in den Familienalltag der einzelnen Familien hineingewirkt hat.

Online-MFT führt in die Wohnungen und Häuser der Familien, Kinder zeigen ihre Zimmer, wenn sie möchten und Interaktion findet im häuslichen Umfeld statt. Der befürchteten Distanz innerhalb des MFT-Settings zeigt sich Online eine neue Nähe, die ebenso in den Prozess eingebunden werden kann wie in Präsenztreffen. Und MFT-Online hält Kontakt und kann Gruppenbeziehungen aufrechterhalten, bis Präsenz wieder möglich sein wird. Sie ist eine Brücke im social distancing und kann als konstante Ressource neben den vielen Kontaktabbrüchen wirken.