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Nachruf

 

In Erinnerung an

Professor Dr. Michael Scholz

In tiefer Trauer erinnern wir uns an Professor Dr. Michael Scholz.

Für viele von uns ist er ein Pionier im Aufbau und in der Verbreitung der Multifamilientherapie in ganz Deutschland gewesen. Wir haben ihn kennengelernt als Lehrenden, als Supervisor und als Therapeuten in zahlreichen, verschiedenen multifamilientherapeutischen Prozessen. Er hat uns auf eine besondere Weise für die Sache begeistert. Bei der Etablierung und Weiterentwicklung unserer eigenen MFT- Projekte hat er uns immer wieder Mut gemacht.

Wenn er „fantastisch“ sagte, haben wir seineBegeisterung für unsere Anliegen gehört und haben so immer wieder Zuversicht bekommen weiterzumachen. Er ist ein Wegbegleiter für uns gewesen. Bei der Suche nach der eigenen MFT-Haltung er hat uns an die Hand genommen.

Viele von uns haben ihn gespannt beobachtet, wenn er in den Rollenspielen innerhalb der Weiterbildungen als MFT-Therapeut agierte. In den Live-Supervisionen schuf er von Anfang an eine vertrauensvolle Atmosphäre, sodass die Familien sich und auch wir als Therapeut*innen uns zeigen und öffnen konnten.

Diejenigen von uns, die in den Genuss gekommen sind, das subjektive Familienbild von ihm zu erlernen, haben ein einzigartiges Instrument an die Hand bekommen um Familienbeziehungen abzubilden. Dieses Handwerk hilft uns in der Arbeit, Entwicklungen in den Familien aufzuzeigen und die Wirksamkeit zu überprüfen.

Wir danken Michael Scholz und seinem Team für diese geniale Idee und Umsetzung.

Er war auch brillant als Geschichtenerzähler. Auf einer Reise von Heidelberg nach Berlin schilderte er in den buntesten Farben, wie ein störrischer Esel seine Reise antrat auf der Rückbank seines Autos von Bulgarien in die DDR. Wir werden nicht vergessen, wie er in seinen Vorträgen bei MFT-Tagungen über die Beziehung zwischen Therapeut und Klient referierte und dann von seinen geschätzten Kolleginnen liebevoll wieder eingefangen wurde, weil er voller Begeisterung von einer Geschichte zur nächsten wechselte und dabei die Zeit vergaß.

Er hat es wie kein anderer geschafft, den Graben zwischen Psychiatrie und Jugendhilfe zu überwinden, in dem er Neugierde geweckt hat auf beiden Seiten, sodass wir die Synergieeffekte nutzen können. Diesen Impuls hat er als Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Multifamilientherapie e.V.aktiv in unsere Arbeit eingebracht und so die Ausrichtung des Vereins maßgeblich geprägt.

Wir profitieren heute von einer großen und breiten MFT- Landschaft von Psychiatrie über Schule bis Jugendhilfe. 2010 hat unter seiner Leitung die erste Bundestagung für Multifamilientherapie in Weimer stattgefunden, wo sich die verschiedenen Akteur*innen der Multifamilientherapie erstmalig vernetzen konnten. Jahr für Jahr hat sich diese Tradition fortgesetzt. In diesem Jahr feiern wir das Jubiläum der 10. Bundestagung Multifamilientherapie. Professor Scholz wird uns an diesem Ort ganz besonders fehlen.

Wir danken Michael Scholz von ganzem Herzen für alles, was er uns gezeigt und gegeben hat. Er hat mit uns seine Haltung geteilt, wie er Kindern und Eltern gegenübertrat voller Zuversicht, Wertschätzung und Anerkennung.

Wir sind traurig, dass wir nicht weiter von ihm lernen können und glücklich, dass wir so viel von ihm gelernt haben.

Voller Dankbarkeit und Trauer verabschieden wir uns von Michael Scholz.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freund*innen.

 

Vorstand und Mitglieder der

Bundesarbeitsgemeinschaft Multifamilientherapie e.V.